Plants of the Gods: das Kultbuch von Schultes und Hofmann über heilige Pflanzen

Kategorien : Cannabinoide und Wissenschaft
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Das Plants of the Gods Buch erschien 1979 und stammt vom amerikanischen Botaniker Richard Evans Schultes und dem Schweizer Chemiker Albert Hofmann. Es beschreibt die heiligen Pflanzen, die traditionelle Kulturen weltweit rituell nutzen, von den Meskalin-Kakteen Lateinamerikas bis zum Cannabis Zentralasiens. Wer sich für Ethnobotanik, Pflanzenkunde und den legalen Anbau eigener Hanfpflanzen interessiert, findet hier den kulturellen Hintergrund, der hinter jeder Sorte steht.

Die Originalausgabe trägt den vollständigen Titel «Plants of the Gods: Their Sacred, Healing, and Hallucinogenic Powers». Eine überarbeitete zweite Auflage von 2001 nimmt Christian Rätsch als dritten Autor auf und ergänzt das Werk um neuere Erkenntnisse der Pflanzenbiochemie.

Was ist das Plants of the Gods Buch und warum gilt es als Klassiker?

Das Werk ist ein bebilderter Atlas der psychoaktiven Flora. Auf rund 200 Seiten verbinden die Autoren Feldfotografien, botanische Tafeln und chemische Analysen. Rund 91 Pflanzenarten werden nach ritueller Nutzung, chemischer Zusammensetzung und geografischer Herkunft geordnet.

Der Kultstatus hat mehrere Gründe. Es war eines der ersten allgemein verständlichen Bücher, das diese Pflanzen wissenschaftlich sauber und ohne ideologische Färbung behandelt. Die Bebilderung ist außergewöhnlich: das Buch ist mit rund 400 seltenen Fotografien reich illustriert, dazu kommen alte Stiche, präkolumbische Figuren und schamanische Masken. Und die Zusammenarbeit von Feldbotanik und Laborchemie war zu jener Zeit eine Seltenheit.

In der akademischen Ethnobotanik dient das Buch bis heute als Einstiegslektüre. Religionsgeschichte und Kulturanthropologie schätzen die Dokumentation schamanischer Riten, die Naturstoffpharmakologie nutzt es als Katalog pflanzlicher Wirkstoffe.

Wer sind Richard Evans Schultes und Albert Hofmann im Plants of the Gods Buch?

Richard Evans Schultes (1915 bis 2001) gilt als Vater der modernen Ethnobotanik. Der Harvard-Absolvent verbrachte zwischen 1941 und 1953 zwölf Jahre am Stück im kolumbianischen Amazonasgebiet und dokumentierte den Pflanzengebrauch indigener Völker. Er brachte über 24.000 Pflanzenbelege mit und beschrieb mehr als 2000 für die westliche Wissenschaft neue Heilpflanzen.

Albert Hofmann (1906 bis 2008) arbeitete über vierzig Jahre bei Sandoz in Basel. Bekannt wurde er durch die Synthese des LSD-25, doch sein Beitrag reicht weiter: 1958 isolierte er Psilocybin und Psilocin, die Wirkstoffe der mexikanischen Pilze, und charakterisierte die Mutterkorn-Alkaloide. Die beiden trafen sich in den 1950er-Jahren über das Studium mexikanischer Pflanzen. Ihr Briefwechsel dauerte vierzig Jahre, und das Buch ist dessen Ergebnis.

AutorFachgebietBeitrag zum Buch
Richard Evans SchultesBotanik, EthnobotanikBotanische Bestimmung, kultureller Kontext, Feldfotografien
Albert HofmannPharmazeutische ChemieMolekülanalyse, Struktur der Wirkstoffe
Christian RätschAnthropologie, EthnopharmakologieAktualisierung 2001, zeitgenössische Ethnografie
Notizbuch eines Ethnobotanikers mit Zeichnungen psychoaktiver Pflanzen im Stil von Schultes und Hofmann

Welchen Platz nimmt Cannabis in dem Buch ein?

Cannabis erhält im Buch einen eigenen Eintrag, der den rituellen Gebrauch von der Antike bis zu heutigen Praktiken in Indien und Jamaika nachzeichnet. Schultes behandelt die Frage der Systematik vorsichtig, denn die Debatte über die Gattung Cannabis war damals offen. Die Pflanze diente als religiöses Sakrament, als Heilmittel und als Faserpflanze, im bronzezeitlichen China ebenso wie im vedischen Indien.

Der Abschnitt beschreibt Bhang in Indien, Kif im Maghreb und Ganja in Jamaika. Hofmann steuert eine Diskussion der damals frisch beschriebenen Cannabinoide bei: THC war 1964 von Raphael Mechoulam und Yehiel Gaoni isoliert worden, CBD kannte man seit 1940. Die Autoren halten fest, dass die Pharmakologie der Pflanze noch weitgehend unerforscht sei, eine Einschätzung, die sich mit der Entdeckung des Endocannabinoid-Systems in den 1990er-Jahren bestätigte.

Viele der heute erhältlichen Sorten mit medizinischem Profil gehen auf Landrassen zurück, deren traditionelle Nutzung Schultes beschrieben hat. Die Herkunft dieser Linien zu kennen, macht die Sortenwahl im eigenen Garten nachvollziehbarer.

Welche heiligen Pflanzen beschreibt das Plants of the Gods Buch noch?

Neben Cannabis stellt das Buch rund hundert rituell genutzte Arten vor. Jeder Eintrag verbindet wissenschaftlichen Namen, Verbreitung, rituellen Kontext und chemisches Profil. Die großen Gruppen sind:

  • Kakteen: Peyote (Lophophora williamsii), San Pedro (Trichocereus pachanoi) und weitere Trichocereus-Arten der Anden.
  • Windengewächse: Ololiuqui (Turbina corymbosa) und Hawaiian Baby Woodrose (Argyreia nervosa).
  • Pilze: Psilocybe mexicana, Amanita muscaria sowie Claviceps purpurea, das Mutterkorn.
  • Amazonische Lianen: Banisteriopsis caapi, Grundlage des Ayahuasca, kombiniert mit Psychotria viridis.
  • Nachtschattengewächse: Datura, Engelstrompete, Alraune, Bilsenkraut und Tollkirsche.
  • Iboga (Tabernanthe iboga) aus Äquatorialafrika, Sakrament des gabunischen Bwiti-Kults.

Schultes und Hofmann stellen keine Hierarchie zwischen westlichen und indigenen Traditionen auf. Diese vergleichende Haltung bleibt methodisch vorbildlich, auch für alle, die sich mit seltenen Pflanzen aus fernen Regionen und dem pflanzlichen Erbe der Menschheit befassen.

Heilige psychoaktive Pflanzen aus dem Kultbuch von Schultes und Hofmann zur Ethnobotanik

Wie hat das Buch die moderne Cannabinoid-Forschung geprägt?

Der Einfluss ist indirekt, aber greifbar. Das Buch hat die wissenschaftliche Beschäftigung mit pflanzlichen Wirkstoffen zu einer Zeit legitimiert, in der dieses Feld politisch an den Rand gedrängt war. Mit der sorgfältigen Dokumentation traditioneller Nutzungen bereiteten die Autoren den Boden für spätere Forschung.

Raphael Mechoulam, der Begründer der Cannabis-Chemie, würdigte Hofmann mehrfach. Die schrittweise Beschreibung des Endocannabinoid-Systems, von der Entdeckung des CB1-Rezeptors 1988 bis zum CB2-Rezeptor 1993, steht in einer Linie mit dem fächerübergreifenden Ansatz des Buches.

Auch die Extraktbranche folgt dieser Spur. Die Verfahren hinter heutigen Extrakten mit CBD-Gehalt gehen auf Hofmanns Pionierarbeit zur Isolierung pflanzlicher Wirkstoffe zurück. Die Unterscheidung zwischen Vollspektrum und Isolat berührt genau jene Frage nach dem molekularen Umfeld, die schon 1979 anklingt.

JahrWissenschaftlicher SchrittBezug zum Buch
1964Isolierung des THC durch MechoulamFrühere Dokumentation der beschriebenen Nutzungen
1979Erscheinen von Plants of the GodsFächerübergreifende Standardsynthese
1988 bis 1993Entdeckung der Rezeptoren CB1 und CB2Vom ethnopharmakologischen Ansatz vorbereitet
2001Neuauflage mit Christian RätschAufnahme der Endocannabinoid-Forschung

Vom Kultbuch zum eigenen Garten

Was das Buch dokumentiert, ist in Deutschland heute in Teilen wieder gelebte Praxis: Hanf wird angebaut, geerntet und verarbeitet. Wer selbst sät, arbeitet mit denselben Grundgrößen wie die von Schultes beschriebenen Bauern, nämlich Licht, Erde, Wasser, Nährstoffe und Geduld bis zur Ernte. Züchterkataloge wie der von Barney's Farm führen Linien, deren Vorfahren als Landrassen genau in jenen Regionen wuchsen, die das Buch beschreibt.

Der Eigenanbau durch Volljährige unterliegt in Deutschland den Regelungen des Cannabisgesetzes (CanG). Informieren Sie sich über die jeweils aktuellen rechtlichen Bestimmungen in Ihrem Wohnsitzland.

Wissenschaftliches Erbe von Plants of the Gods in der modernen Cannabinoid-Forschung und Phytochemie

Wo finden Sie das Plants of the Gods Buch heute?

Das Werk ist in mehreren Ausgaben erhältlich. Die Erstausgabe von 1979 ist ein gesuchtes Sammlerobjekt, während die von Christian Rätsch überarbeitete Neuauflage von 2001 im Buchhandel und in Universitätsbibliotheken am leichtesten zugänglich ist. Eine deutsche Ausgabe erschien unter dem Titel «Pflanzen der Götter» und wird bis heute nachgedruckt. In Leserrezensionen auf Buchportalen wird vor allem die Bildstrecke gelobt, gelegentlich kritisiert wird der stellenweise dichte Fachton.

Für den Zugang bieten sich mehrere Lesarten an:

  • Durchlesen, um die botanischen Familien im Überblick kennenzulernen.
  • Gezielt eine Pflanze oder eine Molekülgruppe nachschlagen.
  • Das Werk als Bildatlas zur Bestimmung nutzen.
  • Es neben späteren Essays von Wade Davis, Terence McKenna oder Andrew Weil lesen.

Häufige Fragen zum Plants of the Gods Buch

Was ist das zentrale Thema im Plants of the Gods Buch?

Im Mittelpunkt stehen die heiligen, heilenden und halluzinogenen Kräfte psychoaktiver Pflanzen. Das Buch verbindet botanische Bestimmung, Biochemie der Wirkstoffe und die rituelle Nutzung in Kulturen weltweit.

Wann erschien das Plants of the Gods Buch zum ersten Mal?

Die Originalausgabe erschien 1979 bei McGraw-Hill in den USA. Die überarbeitete Neuauflage von Schultes, Hofmann und Christian Rätsch folgte 2001 bei Healing Arts Press.

Wer sind die Autoren und was zeichnet sie aus?

Richard Evans Schultes gilt vielen als Vater der modernen Ethnobotanik, Albert Hofmann war Chemiker bei Sandoz und isolierte unter anderem Psilocybin. Christian Rätsch, Ethnopharmakologe, aktualisierte das Werk 2001.

Behandelt das Plants of the Gods Buch nur halluzinogene Pflanzen?

Nein. Der vollständige Titel nennt ausdrücklich die heiligen, heilenden und halluzinogenen Kräfte. Rituelle, medizinische und psychoaktive Nutzungen werden gleichrangig dokumentiert.

Wie werden psychoaktive Pflanzen in traditionellen Kulturen genutzt?

Meist in schamanischen Riten, bei Heilzeremonien und Übergangsritualen, eingebettet in strenge kulturelle Regeln. Das Buch beschreibt diese Zusammenhänge, ohne Anwendungsempfehlungen zu geben.

Ist das Buch heute noch aktuell?

Ja. Es wird in der Ethnopharmakologie weiterhin zitiert. Einzelne chemische Angaben von 1979 sind überholt, doch Methodik und Bildmaterial behalten ihren Wert.

Ein Standardwerk für alle, die Pflanzen ernst nehmen

Rund fünfundvierzig Jahre nach dem Erscheinen bleibt das Plants of the Gods Buch eine lebendige Referenz für die Ethnobotanik psychoaktiver Pflanzen. Die Verbindung aus Schultes' Feldarbeit und Hofmanns chemischer Präzision ergibt einen Text, der mit der heutigen Forschung noch immer im Gespräch ist. Wer heute selbst sät und erntet, liest darin die lange Vorgeschichte der eigenen Pflanzen.

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