High Times Magazine: Geschichte, Gründer und Erbe des Cannabis-Mediums
Das High Times Magazine gehört zu den prägenden Medien der Cannabis-Kultur. 1974 in den USA gegründet, hat das Magazin über ein halbes Jahrhundert lang die Entwicklung von Sorten, Samenbanken, der Drogenpolitik und der Persönlichkeiten begleitet, die den Cannabis-Kosmos geformt haben. Wer verstehen will, wie einzelne Genetiken zu Ikonen wurden und warum die Zahl 420 zu einem weltweiten Erkennungszeichen wurde, kommt an den Seiten dieses Magazins nicht vorbei. Ein großer Teil der frühen Bildsprache rund um Cannabis-Samen und ihre Cannabis-Genetik wurde hier erstmals einem breiten Publikum zugänglich gemacht.
Kurz gefasst: Das High Times Magazine ist ein Cannabis-Monatsmagazin, das Tom Forçade 1974 ins Leben rief. Es machte die Makrofotografie von Cannabis-Blüten populär, rief 1988 den Cannabis Cup ins Leben, setzte sich für die Entkriminalisierung ein und inspirierte mehrere Generationen von Growern und Züchtern. Sein Erbe prägt die zeitgenössische Cannabis-Kultur bis heute, auch nach dem Niedergang der gedruckten Ausgabe in den 2010er-Jahren.
Wann und von wem wurde das High Times Magazine gegründet?
Das High Times Magazine entstand 1974 in New York und geht auf Tom Forçade zurück, einen Journalisten und Aktivisten, der für sein Engagement in der US-amerikanischen Untergrundpresse bekannt war. Die erste Ausgabe vom Sommer 1974 war als Parodie auf das Männermagazin Playboy angelegt, jedoch ganz dem Cannabis gewidmet. Das Layout übernahm die Struktur des Vorbilds: ein zentrales Thema, Kolumnen, Interviews und vor allem eine ausklappbare Mittelseite mit einer in Großaufnahme fotografierten Cannabis-Sorte. Diese redaktionelle Idee, das sogenannte Centerfold of the Month, wurde zum optischen Markenzeichen des Magazins.
Tom Forçade stammte aus dem Umfeld der Underground Press Syndicate, eines Netzwerks oppositioneller Zeitungen aus der Zeit des Vietnamkriegs. Mit High Times wollte er einem Thema, das bis dahin auf vertrauliche Fanzines beschränkt war, eine legale und breitenwirksame Plattform geben. Der Erfolg kam sofort: Die erste Ausgabe mit einer Auflage von 10.000 Exemplaren war rasch vergriffen, die zweite wurde bereits in einer Auflage von 250.000 Stück gedruckt.
Welche Journalisten und Persönlichkeiten prägten das Magazin?
Über seinen Gründer hinaus verdankt das Magazin seine Langlebigkeit mehreren Persönlichkeiten, die seine redaktionelle Linie über die Jahrzehnte formten. Andy Kowl und Ed Dwyer wirkten an den ersten Ausgaben mit und bauten die Redaktion auf. Nach dem Tod von Tom Forçade 1978 übernahm Michael Kennedy, Anwalt und Vertrauter des Gründers, die Leitung, um die redaktionelle Unabhängigkeit des Titels zu wahren.
In den 1980er- und 1990er-Jahren spielte Steven Hager eine entscheidende Rolle. Als langjähriger Chefredakteur weitete er die Berichterstattung auf politische, wissenschaftliche und spirituelle Fragen rund um Cannabis aus. Er machte den Code 420 in den Seiten des Magazins bekannt, nachdem er über die Waldos aus San Rafael in Kalifornien recherchiert hatte. Seine Arbeit verwandelte das Blatt in eine kulturelle Referenz, weit über seine ursprüngliche Rolle als Unterhaltungsmagazin hinaus.
Mehrere Gastautoren steuerten viel beachtete Beiträge bei: Hunter S. Thompson, William S. Burroughs, Charles Bukowski, Truman Capote oder Norman Mailer gehören zu den Federn, die im Magazin publizierten und dem Titel eine in der Cannabis-Fachpresse seltene literarische Glaubwürdigkeit verliehen. Diese Öffnung für namhafte Schriftsteller stärkte die Reputation des Mediums und erweiterte seine Leserschaft weit über die Cannabis-Szene hinaus.
Wie sah die redaktionelle Linie von High Times aus?
Die redaktionelle Linie verband investigativen Journalismus, botanische Wissensvermittlung, Populärkultur und politisches Engagement. Jede Ausgabe war um mehrere wiederkehrende Rubriken herum aufgebaut, die zum Markenzeichen des Titels wurden:
- Hintergrundreportagen über die Prohibition, die Cannabis-Gesetze und die juristischen Entwicklungen in den USA wie in Europa.
- Porträts von Züchtern und aufstrebenden Samenbanken, die zur Sichtbarkeit des jungen Sektors beitrugen.
- Wissenschaftliche Kolumnen über Cannabinoide, Terpene und die frühe medizinische Forschung, im Zuge der Arbeiten von Pionieren wie Raphael Mechoulam.
- Interviews mit Künstlern, Musikern und Personen des öffentlichen Lebens, die mit der 420-Kultur verbunden waren.
- Das berühmte Centerfold of the Month, die ganzseitige Aufnahme einer Cannabis-Sorte, zur Referenz-Ikonografie für viele Generationen geworden.
Diese redaktionelle Vielfalt erlaubte es High Times, eine sehr breite Leserschaft zu erreichen: Liebhaber, Aktivisten, Wissenschaftler, Journalisten, Juristen und Persönlichkeiten der aufkommenden Cannabis-Branche. Viele der damals porträtierten Züchter finden sich heute unter den Samenbanken in unserem Sortiment wieder. Der Titel behandelte auch die Wissenschaft rund um Cannabis und die Cannabinoide, was ihn zu einer Brücke zwischen Populärkultur und Forschung machte.
Wie beeinflusste High Times die weltweite Cannabis-Kultur?
Der Einfluss von High Times reicht weit über die Grenzen der USA hinaus. Drei zentrale Beiträge erklären seine internationale Ausstrahlung und seinen Platz im kollektiven Cannabis-Gedächtnis.
Erstens die Gründung des Cannabis Cup 1988 in Amsterdam. Auf Betreiben von Steven Hager veranstaltete das Magazin den ersten internationalen Wettbewerb rund um Cannabis-Sorten. Über mehr als 25 Jahre kürte diese Veranstaltung die besten Selektionen niederländischer, US-amerikanischer und spanischer Samenbanken. Sie prägte die moderne Grammatik des Marktes: Indica, Sativa, Hybride, Autoflower, CBD-reich.
Zweitens die Popularisierung Amsterdams als Welthauptstadt des Cannabis. Indem es die Coffeeshops, die verfügbaren Sorten und die niederländische Politik der Toleranz beschrieb, trug das Magazin dazu bei, eine Diaspora aus Züchtern, Journalisten und Sammlern in die Niederlande zu locken. Historische Samenbanken wie Sensi Seeds, deren Genetiken zu weltweiten Referenzen wurden, profitierten von dieser redaktionellen Sichtbarkeit.
Drittens die Verbreitung des Codes 420. Durch die Recherche über die Waldos, kalifornische Schüler, die sich in den 1970er-Jahren um 16:20 Uhr zum gemeinsamen Rauchen trafen, verwandelte Steven Hager einen lokalen Ausdruck in ein weltweites Symbol. Diese Medialisierung machte aus einer regionalen kalifornischen Wendung ein universelles Zeichen der Cannabis-Kultur.
High Times in Deutschland: Rezeption und rechtlicher Kontext
Im deutschsprachigen Raum blieb High Times lange ein Import-Titel, der über spezialisierte Läden, den Versandhandel und später über die Website hightimes.com wahrgenommen wurde. Begriffe wie das Centerfold, der Cannabis Cup und der Code 420 fanden über das Magazin ihren Weg in die deutsche Grow- und Kulturszene, ergänzt durch heimische Grow-Magazine und Foren. Suchanfragen nach dem High Times Magazin, nach deutschen Ausgaben oder nach einzelnen Cup-Jahrgängen zeigen bis heute ein anhaltendes Interesse an der Marke.
Zugleich hat sich der rechtliche Rahmen in Deutschland verändert. Seit 2024 ist der private Eigenanbau für Volljährige unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt, und Anbauvereinigungen, oft Cannabis Social Clubs genannt, bilden einen neuen legalen Rahmen. Das rückt Themen, die High Times früh behandelte, in einen aktuellen deutschen Kontext, von der Sortenvielfalt bis zur Debatte über Regulierung.
Der Eigenanbau durch Volljährige unterliegt in Deutschland den Regelungen des Cannabisgesetzes (CanG). Informieren Sie sich über die jeweils aktuellen rechtlichen Bestimmungen in Ihrem Wohnsitzland.
Warum erlebte das High Times Magazine einen redaktionellen Niedergang?
Ab Mitte der 2010er-Jahre sah sich das Monatsmagazin mit denselben Schwierigkeiten konfrontiert wie die gesamte gedruckte Presse in den USA: einbrechende Werbeeinnahmen im Print, schwindende Leserschaft und die Konkurrenz digitaler Medien. Die Cannabis-Spezialisierung erschwerte die Lage zusätzlich, da branchenbezogene Werbung durch zahlreiche bundes- und bankenrechtliche Auflagen in den USA eingeschränkt bleibt.
Der Verlag versuchte mehrere Neuausrichtungen. Ein Börsengang über eine SPAC wurde 2018 angekündigt, dann mehrfach verschoben. Die US-amerikanischen Ausgaben des Cannabis Cup sollten die Amsterdamer Veranstaltung ersetzen, taten sich aber schwer, das Prestige des Originals zurückzugewinnen, das die Niederlande 2014 unter regulatorischem Druck hatte verlassen müssen. Die Druckauflage brach ein, die Redaktion wurde mehrfach umgebaut, und manche Ausgaben erschienen nur noch vierteljährlich statt monatlich.
Mehrere Sorten von Barney's Farm und Selektionen historischer Züchter wurden weiterhin von den regionalen US-Ausgaben des Wettbewerbs ausgezeichnet, doch die globale Aura des Labels High Times verblasste zugunsten konkurrierender Veranstaltungen wie der Spannabis in Barcelona oder des niederländischen HighLife Cup.
Was ist heute vom High Times Magazine geblieben?
Trotz seines redaktionellen Niedergangs bleibt die Marke High Times präsent. Die Website hightimes.com veröffentlicht täglich Cannabis-Nachrichten, juristische Kolumnen und Reportagen über die legalisierten US-Märkte. Die Marke richtet weiterhin mehrere regionale Cannabis Cups in jenen US-Bundesstaaten aus, in denen der Freizeitkonsum erlaubt ist, etwa Michigan, New Jersey oder Kalifornien. Samenbanken wie Royal Queen Seeds tauchen in den Ranglisten dieser US-Ausgaben regelmäßig auf.
Die Marke hat ihre Aktivitäten zudem diversifiziert, was ihr das Überleben trotz des Rückgangs der Printausgabe ermöglicht. Mehrere Entwicklungsachsen prägen heute ihre Wirtschaft:
- Lizenzen für Merchandising-Produkte unter dem Namen High Times, verkauft in zugelassenen US-Dispensaries.
- Bekleidungs- und Accessoire-Linien, die die historische Bildsprache des Magazins aufgreifen.
- Veranstaltungspartnerschaften mit den regionalen Cannabis Cups und den nordamerikanischen Cannabis-Messen.
- Vermarktung kosmetischer und kulinarischer Varianten unter der Marke.
- Digitale redaktionelle Berichterstattung über CBD und den US-amerikanischen Medizinmarkt.
Diese Diversifizierung hat einen Teil der historischen Identität hin zu Merchandising und Events verschoben, zulasten des Hintergrundjournalismus, der den Ruf des Titels begründete. Parallel dazu widmet die digitale Redaktion dem Wachstum rund um legale CBD-Produkte breiten Raum. Die Einnahmen aus diesen Nebengeschäften erlauben es jedoch, die Redaktion zu erhalten und die US-Wettbewerbe zu organisieren.
Auf kultureller Ebene bleibt das Erbe intakt. Die Bildsprache des Magazins, die Grammatik der Sorten und das amerikanische Cannabis-Imaginäre, das es mitgeprägt hat, strukturieren bis heute die Kommunikation von Samenbanken, Fachmedien und Dispensaries. Für die Community bleibt der Titel eine historische Referenz, ebenbürtig den ersten europäischen Cannabis-Fanzines.
Häufige Fragen zum High Times Magazine
Wer gründete das High Times Magazine und in welchem Jahr?
Das Magazin wurde 1974 in New York von Tom Forçade gegründet, einem US-amerikanischen Journalisten aus dem Umfeld der Untergrundpresse und der Underground Press Syndicate. Die erste Ausgabe erschien im Sommer 1974 und etablierte sofort die redaktionelle Handschrift des Titels mit der Mittelseite, die einer in Großaufnahme fotografierten Cannabis-Sorte gewidmet war.
Gibt es das High Times Magazine 2026 noch?
Ja, die Marke High Times besteht weiter in digitaler Form auf der Website hightimes.com, die täglich Cannabis-Nachrichten veröffentlicht. Die Printausgabe ist selten geworden und die Erscheinungsweise hat sich seit Mitte der 2010er-Jahre gelockert, doch die Marke bleibt über die regionalen US-amerikanischen Cannabis Cups im Veranstaltungsbereich aktiv.
Warum heißt das Magazin High Times?
Der Name High Times spielt mit der Doppeldeutigkeit des englischen Wortes high, das zugleich einen euphorischen Zustand im Zusammenhang mit Cannabis und die Idee von Höhe oder Größe bezeichnet. Tom Forçade wählte diese Bezeichnung, um sowohl den rebellischen Geist des Titels als auch seinen Anspruch widerzuspiegeln, ein bis dahin an den Rand gedrängtes Thema ernsthaft zu behandeln.
Was bezeichnet das Centerfold of the Month im High Times Magazine?
Das Centerfold of the Month ist die ausklappbare Mittelseite des Magazins, die einer in Makro-Großaufnahme fotografierten Cannabis-Sorte gewidmet ist. Diese Rubrik parodiert das Format des Playmate of the Month aus dem Playboy und bildet seit 1974 die charakteristische Bildsprache des Magazins, die zur visuellen Kultur des modernen Cannabis beigetragen hat.
Welche Rolle spielt High Times beim Cannabis Cup?
Der Titel ist der historische Herausgeber des Cannabis Cup, den er 1988 in Amsterdam auf Betreiben von Steven Hager ins Leben rief. Über mehr als 25 Jahre kürte die niederländische Ausgabe die besten Selektionen der Samenbanken. Seit 2014 haben mehrere regionale Ausgaben in den USA die Nachfolge angetreten.
Welchen Stellenwert hat das Magazin in der 420-Kultur?
Das Monatsmagazin spielte eine entscheidende Rolle bei der weltweiten Verbreitung des Codes 420, indem es ab den 1990er-Jahren die Recherchen von Steven Hager über die Waldos aus San Rafael veröffentlichte. Diese Medialisierung verwandelte einen lokalen kalifornischen Ausdruck in ein universelles Symbol der Cannabis-Kultur, das heute von Communitys in aller Welt aufgegriffen wird.
High Times Magazine, lebendiges Gedächtnis der Cannabis-Kultur
Der US-amerikanische Titel bleibt ein prägender Bezugspunkt, um die zeitgenössische Cannabis-Kultur zu verstehen. Geboren im Aufbruch der amerikanischen Gegenkultur der 1970er-Jahre, hat er über mehr als fünf Jahrzehnte das Aufkommen der Samenbanken, die Verbreitung ikonischer Sorten und die Entwicklung der Drogenpolitik dokumentiert. Sein redaktionelles Erbe nährt heute die Arbeit von Fachmedien und Enthusiasten, die sich für das genetische Erbe des Cannabis interessieren. Über den Cannabis Cup, die Popularisierung des 420 und die von bedeutenden Schriftstellern signierten Seiten hat der Titel ein an den Rand gedrängtes Thema in eine weltweite kulturelle Referenz verwandelt, deren Codes das digitale Zeitalter überdauern.
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