Helichrysum umbraculigerum: die afrikanische Pflanze, die Cannabinoide bildet, ohne Cannabis zu sein
Helichrysum umbraculigerum ist eine südafrikanische Pflanze aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae), die auf natürliche Weise Cannabinoide bildet, darunter CBG, ohne im Entferntesten mit Cannabis verwandt zu sein. Diese botanische Besonderheit fasziniert die Forschung, weil sie beweist, dass eine genetisch völlig hanffremde Pflanze eigenständig dieselbe molekulare Chemie entwickelt hat. Für alle, die sich für Botanik, seltene Genetiken und pflanzliches Erbe begeistern, erzählt dieser leuchtend gelbe Strauch aus dem südafrikanischen Hochland eine erstaunliche Evolutionsgeschichte. Manchmal wird die Art im Deutschen als Strohblume oder Immortelle bezeichnet, doch mit den bekannten Zier-Strohblumen unserer Gärten hat sie chemisch nichts gemein. Sehen wir uns an, warum diese Pflanze die Wissenschaft so beschäftigt und was sie über den Ursprung der Cannabinoide im Pflanzenreich verrät.
Was ist Helichrysum umbraculigerum?
Helichrysum umbraculigerum ist eine schnell wachsende, aufrechte, mehrjährige Staude aus der Familie der Korbblütler, derselben Familie wie das Gänseblümchen oder die Sonnenblume. Vom Botaniker Lessing beschrieben, wächst sie wild vom Hochland im Osten Simbabwes über Lesotho bis in die Berge der östlichen Kapregion in Südafrika, wo sie Grasland, Waldränder und Flussufer besiedelt. Die Pflanze erreicht etwa einen Meter Höhe und verholzt mit zunehmendem Alter. Ihre schwefelgelben Blüten wirken wie breite, flache Schirme, deren Unterseite watteweich und weiß ist. Die Blüte fällt in das Ende des Südsommers, von Januar bis April, und die Blütenkörbe färben sich im Alter langsam goldgelb, wobei sie ihr Aussehen über viele Wochen bewahren.
Schon ihr Name sagt viel aus. Die Gattung Helichrysum leitet sich vom griechischen helios (die Sonne) und chrysos (das Gold) ab, während das lateinische Artepitheton umbraculigerum so viel bedeutet wie "die wollige Schirme trägt". In Südafrika heißt sie kerriekruie, also "Currykraut", wegen ihres aromatischen Dufts, und im lokalen Sprachgebrauch trägt sie den Namen Smilje. Die Gattung Helichrysum umfasst im südlichen Afrika allein 244 Arten. Diese botanische Vielfalt macht sie weit über ihre chemische Besonderheit hinaus zu einem spannenden Studienobjekt. Hier ihre wichtigsten Merkmale:
- Familie der Korbblütler, ohne Verbindung zur Familie des Cannabis.
- Geografische Herkunft: südliches Afrika, von Simbabwe über Lesotho bis zur östlichen Kapregion.
- Wuchs: mehrjährige Staude von rund einem Meter, mit schwefelgelben Blüten.
- Standort: Hochlandwiesen, frosttolerant, an Sommerregen angepasst.
Ist Helichrysum umbraculigerum mit Cannabis verwandt?
Nein, und genau das macht diese Pflanze bemerkenswert. Cannabis gehört zur Familie der Hanfgewächse (Cannabaceae), zusammen mit Hopfen und Zürgelbaum, während Helichrysum umbraculigerum zu den Korbblütlern zählt. Beide Familien haben sich vor Dutzenden Millionen Jahren im Stammbaum der Pflanzen getrennt. Keine direkte genetische Verwandtschaft verbindet sie, was bedeutet, dass ihre gemeinsame Fähigkeit zur Bildung von Cannabinoiden nicht von einem gemeinsamen Vorfahren geerbt wurde.
Um die Pflanze botanisch einzuordnen, hilft es zu verstehen, was die Familie des Hanfs ausmacht, ein Thema, das die Forschung rund um die Hanfgewächse ausführlich behandelt. Diese fehlende Verwandtschaft ist der Schlüssel zum Rätsel: Wenn zwei weit voneinander entfernte Organismen unabhängig dieselbe chemische Lösung entwickeln, sprechen Biologen von konvergenter Evolution. Dieser Mechanismus, aus dem Tierreich am Beispiel von Vogelflügel und Fledermausflügel gut bekannt, findet sich also auch im Pflanzenreich und in der Bildung komplexer Moleküle wieder. Helichrysum umbraculigerum wird damit zu einem Musterbeispiel, einem afrikanischen Spiegel der Hanfchemie.
Welche Cannabinoide bildet Helichrysum umbraculigerum?
Das wichtigste in Helichrysum umbraculigerum nachgewiesene Cannabinoid ist das Cannabigerol, besser bekannt unter dem Kürzel CBG. Bereits 1979 hatten deutsche Chemiker Verbindungen vom Typ Cannabigerol in dieser Pflanze entdeckt. Im Jahr 2023 hat ein Team des Weizmann-Instituts in Israel diesen ersten Befund bestätigt und weit übertroffen, als es seine Arbeit in der Fachzeitschrift Nature Plants veröffentlichte. Die Forschenden identifizierten mehr als vierzig verschiedene Cannabinoide sowie CBGa, die saure Vorstufe des CBG. In den Blättern erreichen die CBGa-Werte nach Angaben der Forschung einen für eine hanffremde Pflanze bemerkenswerten Anteil.
Auffällig ist, dass die Wissenschaftler weder nennenswertes THC noch CBD in der Pflanze fanden. Das CBG, oft als Mutter-Molekül bezeichnet, weil es beim Hanf die übrigen Cannabinoide hervorbringt, nimmt hier also eine zentrale Stellung ein. Diese Pflanze ist im südlichen Afrika zudem traditionell bekannt, wo ihr Curryduft ihr den volkstümlichen Namen kerriekruie einbrachte, lange bevor sich die moderne Chemie für ihre Inhaltsstoffe interessierte. Ihr Reichtum an Cannabinoiden rückt Helichrysum umbraculigerum in die Nähe der cannabinoidreichen Genetiken, die Botanik-Begeisterte studieren, und bleibt dabei doch eine vom Cannabis völlig eigenständige Pflanze.
Wie bildet eine nicht-cannabische Pflanze Cannabinoide?
Die Antwort liegt in der inneren Biochemie der Pflanze. Das Team des Weizmann-Instituts hat das gesamte Genom von Helichrysum umbraculigerum sequenziert und anschließend den vollständigen Stoffwechselweg nachgezeichnet, der zu den Cannabinoiden führt. Überraschend dabei: Die Pflanze bildet diese Moleküle vor allem in ihren Blättern, während Cannabis sie in den Blüten und deren Trichomen konzentriert. Der Ort der Bildung unterscheidet sich, doch die chemische Logik überschneidet sich.
Die Enzyme, die Helichrysum umbraculigerum in der ersten Hälfte dieses Wegs nutzt, gehören zu denselben Familien wie die des Cannabis. Diese enzymatische Parallele erlaubte es den Forschenden, die Bildung von Cannabinoiden in Hefe und in Tabakpflanzen nachzustellen. Der Mechanismus erinnert an die Biosynthese der Cannabinoide beim Hanf, bei der die Vorstufen über einen mehrstufigen Enzymweg entstehen. Zu verstehen, wie eine nicht-cannabische Pflanze das schafft, eröffnet der Forschung beträchtliche Perspektiven, bis hin zur Vorstellung eines Tages völlig neuer, in der Natur nicht vorkommender Cannabinoide. Diese Herstellung über Fermentation, unabhängig von jeder Kulturpflanze, lässt eine kontrollierte Produktion seltener Moleküle für Labore erahnen. Das Beispiel von Helichrysum umbraculigerum zeigt, wie viele ungeahnte chemische Wege die belebte Natur noch bereithält.
Welche anderen Pflanzen bilden Cannabinoide außerhalb des Cannabis?
Helichrysum umbraculigerum steht in dieser Kategorie botanischer Kuriositäten nicht allein. Mehrere Gewächse ohne Verbindung zum Hanf bilden Moleküle, die mit dem Endocannabinoid-System wechselwirken oder den Cannabinoiden ähneln. Dieses Phänomen veranschaulicht hervorragend die weiter oben erwähnte konvergente Evolution. Die Natur hat an mehreren Orten und zu mehreren Zeiten dieselbe Chemie neu erfunden. Hier einige dokumentierte Beispiele:
- Radula, ein Lebermoos, das Perrottetinen bildet, das dem THC nahesteht.
- Bestimmte Rhododendren, Quelle verwandter Cannabiorcinsäuren.
- Der Sonnenhut (Echinacea), dessen Alkylamide an Cannabinoid-Rezeptoren binden.
- Kakao und schwarzer Trüffel, die Verbindungen vom Typ der Endocannabinoide enthalten.
Diese Vielfalt zeigt, dass Cannabinoide keine Exklusivität des Hanfs sind. Sie nährt auch das Interesse aller, die sich mit Produkten auf Cannabinoid-Basis beschäftigen, und erinnert daran, dass diese Moleküle eine sehr breite botanische Geschichte haben. Helichrysum umbraculigerum bleibt dennoch einer der am besten untersuchten Fälle, dank des Reichtums seines molekularen Profils.
Wie unterscheidet man Helichrysum umbraculigerum von der Zier-Strohblume?
Die Verwechslung ist häufig, denn die Gattung Helichrysum umfasst auch die berühmten Strohblumen und Immortellen, jene Trockenblumen, die ihre Farbe monatelang behalten. Die bekannteste Immortelle, Helichrysum italicum oder Currykraut aus Korsika, ist in Parfümerie und Kosmetik geschätzt. Sie hat jedoch keinen chemischen Bezug zu den Cannabinoiden. Es handelt sich um ein ganz anderes Mitglied derselben umfangreichen Gattung. Auch die im Garten beliebte Garten-Strohblume (Helichrysum bracteatum) gehört zu dieser Verwandtschaft, die vor allem als Schnittblume kultiviert wird.
Der Unterschied ist einfach zu merken: Helichrysum umbraculigerum zeichnet sich durch seine südafrikanische Herkunft, seine großen schwefelgelben Blütenschirme und seine besondere CBG-Bildung aus. Die Zier-Strohblumen des Gartens wiederum sind wegen ihrer Trockensträuße und ihres aromatischen Werts gefragt, gedeihen an vollsonnigen Standorten mit gut durchlässigem Boden und gelten in Sommerregengebieten als frosttolerant. Diese afrikanische Besonderheit wird nicht konsumiert und geht in kein Fertigerzeugnis ein, anders als die mit Cannabidiol angereicherten Esswaren aus dem Handel. Sie bleibt vor allem ein Objekt der Forschung und des botanischen Staunens.
| Kriterium | Helichrysum umbraculigerum | Cannabis |
|---|---|---|
| Botanische Familie | Korbblütler | Hanfgewächse |
| Herkunft | Südliches Afrika | Zentralasien |
| Wichtigstes Cannabinoid | CBG (Cannabigerol) | THC, CBD, CBG |
| Ort der Bildung | Blätter | Blüten und Trichome |
Rechtlicher und gesundheitlicher Kontext
Helichrysum umbraculigerum ist kein Cannabis und wird bislang nicht kommerziell angebaut oder verarbeitet, sondern in erster Linie wissenschaftlich untersucht. Wer sich für den legalen Anbau von Cannabis interessiert, sollte den davon getrennten rechtlichen Rahmen beachten, der sich vom botanischen Interesse an dieser Strohblume grundlegend unterscheidet. Wer sich zudem für Cannabissamen und deren Genetik begeistert, findet in dieser afrikanischen Verwandtschaft ein reines Studienobjekt.
Der Eigenanbau durch Volljährige unterliegt in Deutschland den Regelungen des Cannabisgesetzes (CanG). Informieren Sie sich über die jeweils aktuellen rechtlichen Bestimmungen in Ihrem Wohnsitzland.
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Häufige Fragen zu Helichrysum umbraculigerum
Enthält Helichrysum umbraculigerum THC?
Nein. Die Untersuchungen des Weizmann-Instituts wiesen weder nennenswertes THC noch CBD in der Pflanze nach. Ihr molekulares Profil wird vom Cannabigerol (CBG) und seiner sauren Vorstufe CBGa bestimmt.
Wie heißt Helichrysum umbraculigerum auf Deutsch?
Die Gattung Helichrysum wird im Deutschen als Strohblume oder Immortelle bezeichnet. Die Art umbraculigerum trägt jedoch keinen eigenen gebräuchlichen deutschen Namen und wird meist unter ihrem wissenschaftlichen Namen geführt.
Wo wächst diese Pflanze natürlich?
Sie ist im südlichen Afrika heimisch, vom Hochland im Osten Simbabwes über Lesotho bis in die Berge der östlichen Kapregion in Südafrika. Sie bevorzugt Hochlandwiesen, Waldränder und Ufer von Gewässern.
Warum wird sie manchmal Immortelle genannt?
Weil sie zur Gattung Helichrysum gehört, die auch die Zier-Immortellen umfasst. Es handelt sich jedoch um verschiedene Arten: Die Immortelle aus Korsika (Helichrysum italicum) bildet keine Cannabinoide.
Ist Helichrysum umbraculigerum winterhart?
Ja, es ist eine mehrjährige Staude, die mit dem Alter verholzt. In ihrem natürlichen Lebensraum treibt sie jedes Jahr neu aus und verträgt den Frost der trockenen südafrikanischen Winter gut.
Ist die Entdeckung ihrer Cannabinoide neu?
Die ersten Hinweise reichen bis 1979 zurück, durch deutsche Chemiker. Die entscheidende Bestätigung stammt aus dem Jahr 2023, als das Weizmann-Institut ihr Genom sequenzierte und mehr als vierzig Cannabinoide identifizierte, darunter CBG.
Helichrysum umbraculigerum, eine botanische Kuriosität am Schnittpunkt der Wissenschaft
Helichrysum umbraculigerum veranschaulicht auf wunderbare Weise den ungeahnten Reichtum jener Pflanzen, die die Chemie des Hanfs teilen, ohne selbst Hanf zu sein. Dieser afrikanische Korbblütler, der CBG bildet, ohne Cannabis zu sein, erinnert daran, dass die Natur oft mehrere Wege zu ein und derselben molekularen Lösung einschlägt. Zwischen Botanik, konvergenter Evolution und Spitzenforschung bleibt diese leuchtend gelbe Strohblume ein spannendes Fenster auf den Ursprung der Cannabinoide im Pflanzenreich und ein dauerhafter Faszinationsgegenstand für neugierige Naturliebhaber und alle, die sich von den Rätseln des Lebendigen begeistern lassen.
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