GW Pharmaceuticals: die Geschichte des Pioniers der Cannabis-Medizin

Kategorien : Cannabinoide und Wissenschaft
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GW Pharmaceuticals ist das britische Labor, das Cannabis zu einem zugelassenen Arzneimittel gemacht hat. Das 1998 gegründete Unternehmen entwickelte zuerst Sativex, später Epidiolex: die beiden ersten Medikamente auf Pflanzenbasis mit offizieller Zulassung. 2021 wurde die Gruppe von Jazz Pharmaceuticals übernommen. Ihre Geschichte zeigt die klare Grenze zwischen regulierter Medizin und dem legalen Eigenanbau, den viele Menschen in Deutschland seit dem Cannabisgesetz für sich entdecken.

Wer den Weg von GW Pharmaceuticals nachvollzieht, versteht auch, wie aus einer umstrittenen Pflanze ein streng kontrollierter pharmazeutischer Rohstoff wurde. Bei La Boutique 420 finden Sie Saatgut für den privaten Anbau, etwa CBD-reiche Linien aus dem Sortiment der medizinisch inspirierten Genetiken. Das ist etwas anderes als ein verschreibungspflichtiges Präparat, und genau diese Unterscheidung hat das Labor über zwanzig Jahre hinweg herausgearbeitet.

Wer gründete GW Pharmaceuticals und mit welchem Ziel?

GW Pharmaceuticals wurde 1998 in Großbritannien von zwei Wissenschaftlern gegründet, Geoffrey Guy und Brian Whittle. Ihr Ziel war präzise: standardisierte Medikamente aus Cannabis herstellen, zu einer Zeit, als die Pflanze fast ausschließlich mit illegalem Freizeitkonsum verbunden wurde. Dafür erhielt das Unternehmen eine Lizenz des britischen Innenministeriums, die den Anbau von Cannabis für pharmazeutische Forschung erlaubte.

Diese Lizenz war in Europa eine Ausnahme. Sie ermöglichte eine vollständig kontrollierte Kette, von der Pflanze bis zum Extrakt, in gesicherten Gewächshäusern, deren Standort lange geheim blieb. Geoffrey Guy vertrat eine einfache Idee: Wenn Cannabis ein Medikament werden soll, muss es wie jeder andere Wirkstoff behandelt werden, mit demselben Anspruch an Beweise. Auf diesen Säulen ruhte das Modell:

  • Pharmazeutischer Anbau unter kontrollierten Bedingungen, damit die Pflanzen von Charge zu Charge stabil bleiben.
  • Auswahl von Linien mit einem klar definierten Cannabinoide-Profil, um reproduzierbare Extrakte zu erhalten.
  • Ein Lastenheft nach den guten Herstellungspraktiken, wie sie die Gesundheitsbehörden verlangen.
  • Eine Strategie klinischer Studien, die Wirksamkeit und Sicherheit jedes Produkts belegen sollte.

Der Börsengang in London im Jahr 2001 und später die Notierung in den USA finanzierten eine langfristige Forschung. Diese Geduld führte zum ersten Vorzeigeprodukt des Labors.

Was ist Sativex, das erste Medikament aus Cannabisextrakten?

Sativex, mit dem Freinamen Nabiximols, ist das weltweit erste Medikament aus Cannabisextrakten, das eine Zulassung erhalten hat. Es kombiniert zwei wichtige Cannabinoide in einem nahezu ausgewogenen Verhältnis und wird als Spray auf die Mundschleimhaut aufgebracht. Großbritannien ließ es 2010 zu, vor allem gegen die Spastik bei Multipler Sklerose.

Sativex zeigt den grundlegenden Unterschied zwischen einem pharmazeutischen Extrakt und einem Wellness-Produkt. Es ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel, das nur unter ärztlicher Begleitung abgegeben wird. Nach und nach wurde es in weiteren Ländern zugelassen, darunter Deutschland, Spanien und Kanada, immer in einem engen medizinischen Rahmen. Mit frei verkäuflichen CBD-Ölen, deren Zusammensetzung und rechtlicher Status völlig anders sind, hat es nichts gemein.

Der regulatorische Erfolg von Sativex bewies vor allem eines: Ein Cannabis-Derivat kann sämtliche Prüfschritte einer Arzneimittelbehörde durchlaufen. Diese erste Zulassung ebnete den Weg für einen zweiten, wissenschaftlich noch bemerkenswerteren Erfolg.

Pharmazeutische Flaschen und Spray als Sinnbild für Sativex, das Cannabis-Medikament von GW Pharmaceuticals

Was ist Epidiolex und gegen welche Epilepsien wird es eingesetzt?

Epidiolex ist ein Medikament auf Basis von hochreinem Cannabidiol, ebenfalls aus den Laboren von GW Pharmaceuticals. Anders als Sativex beruht es auf einem einzigen, isolierten Cannabinoid. Im Juni 2018 erteilte die US-Behörde FDA die Zulassung, ein Jahr später folgten die europäischen Behörden, wo das Präparat als Epidyolex vertrieben wird.

Epidiolex richtet sich gegen seltene und schwere Epilepsieformen, die auf klassische Therapien oft nicht ansprechen. Die zugelassenen Indikationen betreffen unter anderem das Dravet-Syndrom, das Lennox-Gastaut-Syndrom und die tuberöse Sklerose. Klinische Daten zeigten eine Verringerung der Anfallshäufigkeit, weshalb Cannabidiol seither auch von sehr strengen Zulassungsbehörden als Wirkstoff anerkannt wird.

Auch hier lohnt sich die klare Grenze: Epidiolex ist verschreibungspflichtig und behördlich geprüft. Frei verkäufliche CBD-Produkte für das Wohlbefinden unterliegen einem anderen Rechtsrahmen, mit anderen Anforderungen an Reinheit, Nachweis und Kontrolle. Beides zu verwechseln, wäre ein Fehler, den gerade dieses Labor ausräumen half.

Wie wurde Cannabis als Medizin wissenschaftlich validiert?

Die Stärke des Labors lag in seiner Methode. GW Pharmaceuticals versuchte nie, regulatorische Anforderungen zu umgehen, sondern nahm sie an. Jedes Produkt durchlief randomisierte klinische Studien, in denen es bei klar definierten Patientengruppen gegen ein Placebo geprüft wurde. Diese Strenge überzeugte als vorsichtig geltende Behörden wie die FDA und die Europäische Arzneimittel-Agentur.

Die wissenschaftliche Arbeit ruhte zugleich auf gründlicher botanischer Kenntnis. Konstante Extrakte setzen genetisch einheitliche Pflanzen voraus, die unter identischen Bedingungen wachsen. Dieses Streben nach genetischer Stabilität kennen auch Züchterinnen und Züchter im Eigenanbau: Wer zu einer Sorte aus dem Hause Medical Seeds greift, sucht ebenfalls Linien, die sich von Ernte zu Ernte verlässlich wiederholen, nur eben im Garten statt im Reinraum.

Mehrere Faktoren erklären, warum das Labor in der medizinischen Fachwelt Glaubwürdigkeit gewann:

  • Veröffentlichte, von Fachkollegen begutachtete klinische Daten statt bloßer Erfahrungsberichte.
  • Lückenlose Rückverfolgbarkeit von der Pflanze bis zum Fläschchen.
  • Zusammenarbeit mit anerkannten Forschern aus dem Feld der Cannabinoide.
  • Fokus auf Krankheiten mit hohem, bislang ungedecktem medizinischem Bedarf.

In gut zwanzig Jahren hat sich der Blick auf die Pflanze dadurch dauerhaft verändert: Cannabis kann ernsthafte pharmazeutische Forschung tragen, weit weg von alten Klischees.

Forschungsgewächshaus und Labor als Sinnbild für die wissenschaftliche Validierung von medizinischem Hanf durch GW Pharmaceuticals

Was ist mit GW Pharmaceuticals passiert?

2021 wurde GW Pharmaceuticals von Jazz Pharmaceuticals übernommen, einem ursprünglich irischen und in den USA notierten Pharmakonzern. Die Transaktion im Wert von rund 7,2 Milliarden US-Dollar in bar und Aktien zählt zu den größten, die im Bereich der Cannabis-Medizin je abgeschlossen wurden. Sie beendete die Unabhängigkeit des britischen Labors, nicht aber das Leben seiner Produkte.

Unter dem Dach von Jazz Pharmaceuticals werden Sativex und Epidiolex weiter vertrieben und in neue Märkte gebracht. Die Übernahme spiegelt eine Entwicklung wider: Ein lange als Außenseiter betrachteter Pionier war zum strategischen Ziel eines großen Konzerns geworden. Die wichtigsten Eckdaten der beiden Medikamente im Überblick:

MedikamentWichtigstes CannabinoidZugelassene IndikationErste Zulassung
Sativex (Nabiximols)Ausgewogene THC/CBD-KombinationSpastik bei Multipler SkleroseGroßbritannien, 2010
EpidiolexGereinigtes CannabidiolSeltene Epilepsien (Dravet, Lennox-Gastaut)USA (FDA), 2018

Medizin, Recht und Eigenanbau in Deutschland

Das Erbe von GW Pharmaceuticals hilft, zwei Welten sauber zu trennen. Auf der einen Seite steht das geprüfte Arzneimittel, das nur über eine ärztliche Verordnung und die Apotheke den Weg zur Patientin oder zum Patienten findet. Auf der anderen Seite steht der private Anbau durch Erwachsene, der in Deutschland seit dem Cannabisgesetz einen eigenen rechtlichen Rahmen hat und keinerlei therapeutisches Versprechen enthält.

Wer CBD-reiche Sorten oder stabile feminisierte Genetiken aus Neugier oder für den ruhigen Abendgebrauch anbaut, betreibt keine Selbstmedikation. Fragen zu Krankheiten, Dosierung oder Wechselwirkungen gehören in ärztliche Hände, nicht in ein Gartenprojekt. Diese Trennlinie zu kennen, ist der eigentliche Beitrag des britischen Labors zur öffentlichen Debatte.

Der Eigenanbau durch Volljährige unterliegt in Deutschland den Regelungen des Cannabisgesetzes (CanG). Informieren Sie sich über die jeweils aktuellen rechtlichen Bestimmungen in Ihrem Wohnsitzland.

Häufige Fragen zu GW Pharmaceuticals

Was ist mit GW Pharmaceuticals passiert?

Das Labor wurde 2021 von Jazz Pharmaceuticals übernommen, für geschätzte 7,2 Milliarden US-Dollar. Es besteht als Tochtergesellschaft fort, seine Medikamente werden weiterhin vertrieben.

Wann wurde GW Pharmaceuticals gegründet und von wem?

Gegründet wurde das Unternehmen 1998 in Großbritannien von Geoffrey Guy und Brian Whittle. Eine Lizenz des Innenministeriums erlaubte den Cannabisanbau für pharmazeutische Forschung.

Wer stellt Epidiolex her?

Epidiolex wurde von GW Pharmaceuticals entwickelt und wird heute unter dem Dach von Jazz Pharmaceuticals vertrieben. In Europa ist es unter dem Namen Epidyolex bekannt.

Ist Sativex dasselbe wie CBD-Öl?

Nein. Sativex ist ein verschreibungspflichtiges Mundspray mit einer ausgewogenen Kombination zweier Cannabinoide. Frei verkäufliche CBD-Öle unterliegen einem völlig anderen Rechtsrahmen.

Besteht Epidiolex nur aus CBD?

Der Wirkstoff ist gereinigtes Cannabidiol, also ein einzelnes isoliertes Cannabinoid, ergänzt um pharmazeutische Hilfsstoffe der Lösung. Sativex dagegen beruht auf einem Vollextrakt.

Hat das Labor Cannabis-Samen verkauft?

Nein. Es stellte Medikamente aus Pflanzen her, die unter pharmazeutischer Lizenz angebaut wurden. Mit dem Verkauf von Saatgut für den privaten Anbau hat diese Tätigkeit nichts zu tun.

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